Biografie

Von der Kaufmannsfamilie in Danzig zum Philosophen der Moderne – ein eigenwilliger Weg.

Arthur Schopenhauer (1788–1860) führte ein Leben voller Widersprüche: privilegiert und einsam, ehrgeizig und zurückgezogen. Sein Weg zur Philosophie war alles andere als vorgezeichnet – und seine späte Anerkennung bestätigte, was er immer geahnt hatte.

Porträt Arthur Schopenhauers
Arthur Schopenhauer (1788–1860)

Kindheit und Jugend (1788–1809)

Arthur Schopenhauer wurde am 22. Februar 1788 in Danzig geboren. Sein Vater Heinrich Floris war ein wohlhabender Kaufmann, seine Mutter Johanna eine spätere Schriftstellerin und Salonière in Weimar. Die Familie pflegte ein kosmopolitisches Leben – Arthur reiste als Jugendlicher durch Europa, bevor er widerwillig eine kaufmännische Lehre antrat.

Der Tod des Vaters 1805 – möglicherweise durch Suizid – erschütterte den jungen Arthur. Er brach die Lehre ab und wandte sich dem Studium zu. Das schwierige Verhältnis zur Mutter, die seinen philosophischen Ehrgeiz belächelte, prägte ihn ein Leben lang.

Studium und Dissertation (1809–1813)

Ab 1809 studierte Schopenhauer in Göttingen zunächst Medizin, dann Philosophie. In Berlin hörte er Fichte – und war gründlich enttäuscht. Schon als Student stand für ihn fest, dass die zeitgenössische Universitätsphilosophie hohle Rhetorik war.

1813 promovierte er mit „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde" – einer Schrift, die bereits die erkenntnistheoretischen Fundamente seines gesamten Systems legte.

Das Hauptwerk (1814–1819)

In den folgenden Jahren lebte Schopenhauer zurückgezogen in Dresden und arbeitete an „Die Welt als Wille und Vorstellung". Das Werk erschien 1819 – und fand kaum Leser. Der Verlag musste große Teile der Auflage einstampfen.

Schopenhauer war überzeugt, das Welträtsel gelöst zu haben. Die Welt war anderer Meinung – vorerst.

Berlin und das gescheiterte Experiment (1820–1831)

1820 habilitierte sich Schopenhauer an der Universität Berlin und legte seine Vorlesungen absichtlich auf dieselbe Stunde wie Hegel. Die Provokation schlug fehl: Hegel füllte die Säle, Schopenhauer sprach vor leeren Bänken.

Die Cholera-Epidemie von 1831 trieb ihn aus Berlin. Er zog nach Frankfurt am Main, wo er den Rest seines Lebens verbringen sollte – als Privatgelehrter, ohne akademische Anbindung, aber mit wachsender Gewissheit.

Historische Ansicht von Frankfurt am Main im 19. Jahrhundert
Frankfurt am Main – Schopenhauers Wahlheimat ab 1833

Frankfurter Jahre und später Ruhm (1833–1860)

In Frankfurt führte Schopenhauer ein geregeltes, beinahe ritualhaftes Leben: morgens Schreiben, mittags Spaziergang mit seinem Pudel, abends Lektüre. Er veröffentlichte weitere Werke – „Über den Willen in der Natur" (1836), die Preisschriften und schließlich „Parerga und Paralipomena" (1851).

Erst die „Parerga" brachten den Ruhm. Ab den 1850er Jahren wurde Schopenhauer europaweit gelesen. Bewunderer reisten nach Frankfurt. Er genoss den späten Erfolg mit einer Mischung aus Genugtuung und Ironie.

Am 21. September 1860 starb Arthur Schopenhauer in Frankfurt am Main.

Die ersten vierzig Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreißig den Kommentar dazu."

Arthur Schopenhauer

Aphorismen zur Lebensweisheit

Die wichtigsten Stationen seines Lebens auf einen Blick.

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