Die Liebe durchschauen, ohne sie zu verlieren
Schopenhauers Äußerungen über die Liebe gehören zu den originellsten und provokantesten der gesamten Philosophiegeschichte. In seiner „Metaphysik der Geschlechtsliebe" analysiert er die romantische Verliebtheit als biologisches Programm – eine Strategie des „Willens zum Leben", der die Fortpflanzung sicherstellen will.
Das klingt desillusionierend, ist aber nicht zynisch. Schopenhauer leugnet nicht die Intensität des Gefühls – er erklärt sie. Und er zeigt, dass es neben der romantischen Liebe eine tiefere Form der Zuneigung gibt: das Mitleid, das die Grenze zwischen Ich und Du aufhebt.