Wer war Arthur Schopenhauer?

Eine Einführung in das Leben und Denken eines der einflussreichsten Philosophen der Neuzeit.

Arthur Schopenhauer (1788–1860) war ein deutscher Philosoph, der zu Lebzeiten lange ignoriert wurde und erst spät die Anerkennung fand, die er verdiente. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Denker der westlichen Philosophie – ein Brückenbauer zwischen Ost und West, zwischen Aufklärung und Moderne.

Ein ungewöhnlicher Lebensweg

Geboren in Danzig als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, war Schopenhauer für eine kaufmännische Laufbahn vorgesehen. Der frühe Tod seines Vaters 1805 änderte alles: Schopenhauer brach die Lehre ab und wandte sich der Philosophie zu. Er studierte in Göttingen und Berlin, promovierte 1813 und zog sich dann zurück, um an seinem Hauptwerk zu arbeiten.

1819 erschien „Die Welt als Wille und Vorstellung" – und wurde von der Welt ignoriert. Es dauerte über dreißig Jahre, bis Schopenhauer die Anerkennung fand, die er sich erwünscht hatte. Erst mit der Veröffentlichung der „Parerga und Paralipomena" 1851 wurde er berühmt.

Die zentrale Idee

Schopenhauers Philosophie dreht sich um den „Willen" – eine blinde, rastlose Kraft, die allem zugrunde liegt. Die Welt, wie wir sie erleben, ist „Vorstellung": geformt durch unser Bewusstsein. Hinter dieser Oberfläche wirkt der Wille – ziellos, unersättlich, die Quelle allen Leidens.

Daraus folgt Schopenhauers berühmter Pessimismus: Das Leben ist wesentlich Leid, weil der Wille nie zur Ruhe kommt. Doch Schopenhauer bietet auch Auswege – durch Kunst, durch Mitleid, durch die Verneinung des Willens.

Warum er wichtig ist

Schopenhauer beeinflusste Nietzsche, Freud, Wagner, Thomas Mann und unzählige andere. Er war der erste große westliche Philosoph, der östliche Weisheitstraditionen ernst nahm. Seine Analyse unbewusster Triebe nahm die Psychoanalyse vorweg. Und seine Einsichten über das menschliche Streben nach Glück haben bis heute nichts an Schärfe verloren.

In einer Zeit, die von Optimierungsdruck und permanenter Ablenkung geprägt ist, bietet Schopenhauer etwas Seltenes: eine Philosophie, die nicht beschönigt, sondern klärt.

Das Leben ist eine missliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken."

Arthur Schopenhauer