Pessimismus bei Schopenhauer

Was gemeint ist, wenn er diese die schlechteste aller Welten nennt.

Schopenhauer gilt als der große Pessimist der Philosophie. Doch sein Pessimismus ist weder Klage noch Pose – er ist eine Position, die den Optimismus nicht aus Laune ablehnt, sondern aus Einsicht.

Die schlechteste aller möglichen Welten

Leibniz hatte behauptet, wir leben in der „besten aller möglichen Welten". Schopenhauer drehte das Argument um: Diese Welt ist die schlechteste, die gerade noch bestehen kann. Wäre sie nur ein wenig schlechter, würde sie zusammenbrechen.

Das ist kein rhetorischer Effekt, sondern ein philosophisches Argument: Die Welt enthält gerade genug Erträgliches, um fortzuexistieren – aber nicht genug, um das Dasein zu rechtfertigen.

Optimismus als Gefühllosigkeit

Schopenhauer hält Optimismus nicht nur für falsch, sondern für moralisch fragwürdig. Wer behauptet, die Welt sei gut, erklärt das reale Leiden unzähliger Wesen für nebensächlich. Optimismus wird damit zu einer Form der Gleichgültigkeit – er nimmt die Leidenden nicht ernst.

Der Pessimismus dagegen nimmt das Leid ernst. Er ist, so gesehen, die ehrlichere Position.

Befreiung durch Desillusionierung

Paradoxerweise kann der Pessimismus befreien. Wer aufhört, vom Leben zu erwarten, was es nicht geben kann – dauerhaftes Glück, vollkommene Erfüllung –, hört auf, enttäuscht zu werden. Der Pessimist ist nicht verzweifelt; er hat aufgehört, sich etwas vorzumachen.

Schopenhauer selbst lebte keineswegs als gebrochener Mensch. Er genoss Essen, Musik, Spaziergänge – aber ohne die Erwartung, dass dies das Leid der Existenz aufwiegen müsste.

Pessimismus und Mitgefühl

Der Pessimismus führt bei Schopenhauer nicht zur Gleichgültigkeit, sondern zum Mitgefühl. Gerade weil das Leid allgegenwärtig ist, weil alle Wesen unter demselben blinden Willen leiden, entsteht die Grundlage für echtes Mitleid – die einzige moralische Regung, die er für authentisch hält.

Wer sein Leben ganz frei von Schmerz und Langeweile zugebracht hat, dem ist wahrlich nicht zu gratulieren: er hat das Leben verschlafen."

Arthur Schopenhauer

Es gibt Momente, in denen der Wille schweigt. Die Kunst ist einer davon.

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