Einsamkeit als Privileg
Für Schopenhauer ist die Fähigkeit, allein zu sein, ein Zeichen geistiger Reife. Wer sich selbst genügt – wer innere Ressourcen hat: Neugier, Geist, ästhetisches Empfinden –, braucht die ständige Gesellschaft anderer nicht. Er ist nicht einsam, sondern frei.
Wer hingegen ständig Gesellschaft sucht, flieht vor sich selbst. Die Angst vor dem Alleinsein ist für Schopenhauer die Angst vor der Leere des eigenen Inneren. Wer innerlich nichts hat, braucht äußere Anreize – Menschen, Unterhaltung, Ablenkung. Der geistig reiche Mensch dagegen findet in sich selbst eine unerschöpfliche Quelle der Beschäftigung.
