Begriff

Ding an sich

Bei Kant: das, was die Welt jenseits aller Erfahrung ist, prinzipiell unerkennbar. Bei Schopenhauer: identisch mit dem Willen, den wir an uns selbst von innen erleben.

Ruhiges abstraktes Linienmotiv als Sinnbild philosophischen Denkens.

Der Begriff 'Ding an sich' stammt von Kant. Er bezeichnet das, was die Welt jenseits unserer Erfahrungsbedingungen ist. Kant lässt offen, ob und wie wir es überhaupt fassen können.

Schopenhauer übernimmt diese Unterscheidung und geht einen entscheidenden Schritt weiter. Für ihn ist das Ding an sich nicht völlig unzugänglich, sondern in einer ganz bestimmten Erfahrung gegeben: im inneren Erleben des eigenen Willens.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Kant ist das Ding an sich jenseits aller Erfahrung und bleibt unbestimmt.
  • Bei Schopenhauer wird es positiv bestimmt als Wille.
  • Der Zugang zum Ding an sich verläuft über die Innenerfahrung des eigenen Leibes.
  • Die Unterscheidung von Erscheinung und Ding an sich bleibt aber erhalten.

Bedeutung bei Schopenhauer

Schopenhauer akzeptiert Kants Trennung von Erscheinung und Ding an sich. Die Welt, wie sie erscheint, ist immer schon durch Raum, Zeit und Kausalität geformt. Was sie unabhängig davon ist, lässt sich von außen nicht erreichen.

Anders als Kant sieht Schopenhauer aber eine Ausnahme: Im eigenen Körper sind wir nicht nur Beobachter, sondern auch innerlich gegeben. Das, was wir hier 'Wollen' nennen, ist nicht nur eine weitere Erscheinung, sondern der direkte Zugang zum Ding an sich.

Diese Identifikation ist riskant und wird auch innerhalb der Schopenhauer-Forschung diskutiert. Sie ermöglicht jedoch erst die metaphysische Reichweite seines Hauptwerks: Wenn Wille das Ding an sich ist, dann lässt sich von ihm aus die ganze Welt deuten.

Abgrenzung

Bei Kant ist das Ding an sich ein Grenzbegriff: man weiß, dass es 'da' sein muss, aber nicht, was es ist. Schopenhauer überschreitet diese Grenze, indem er behauptet, wir kennten das Ding an sich von innen. Er nähert sich damit der Tradition der Mystik und der indischen Philosophie, ohne ihre religiösen Behauptungen zu übernehmen.

Rolle im Gesamtdenken

Mit der Gleichsetzung von Ding an sich und Wille schließt sich Schopenhauers System. Erst dadurch lassen sich Ethik, Ästhetik und Erlösungslehre auf eine gemeinsame metaphysische Grundlage stellen.

Wer 'Ding an sich' verstanden hat, sieht: Pessimismus, Mitleid und Askese sind keine isolierten Themen, sondern folgen aus dieser einen Grundbestimmung.

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Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich Schopenhauer von Kant?
Kant hält das Ding an sich für prinzipiell unerkennbar. Schopenhauer behauptet, wir hätten in der Innenerfahrung des eigenen Willens einen einzigartigen Zugang zu ihm.
Ist Schopenhauers These bewiesen?
Sie ist ein philosophisches Argument, kein empirischer Beweis. Schopenhauer-Forschung diskutiert bis heute, wie tragfähig die Gleichsetzung von Wille und Ding an sich ist.