'Die Welt ist meine Vorstellung' ist der erste Satz von Schopenhauers Hauptwerk. Damit ist sofort die Richtung gegeben: Welt ist immer schon Welt für ein Subjekt. Etwas, das niemandem erscheint, ist im Sinne der Vorstellung nicht zugänglich.
Schopenhauer übernimmt dabei Kants Lehre, dass Raum, Zeit und Kausalität keine Eigenschaften der Welt an sich sind, sondern Formen unseres Erkennens. Sie strukturieren, wie etwas überhaupt als Objekt erscheinen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Vorstellung bezeichnet die Welt als Objekt eines Bewusstseins.
- Sie ist durch die Formen Raum, Zeit und Kausalität bestimmt.
- Ohne Subjekt keine Vorstellung, ohne Vorstellung keine erkannte Welt.
- Die Welt als Vorstellung ist nicht die ganze Welt: hinter ihr steht der Wille.
- Der 'Satz vom Grunde' gilt nur in der Welt der Vorstellung.
Bedeutung bei Schopenhauer
Mit dem Begriff Vorstellung übernimmt Schopenhauer eine grundlegende Einsicht der Kantischen Philosophie und macht sie zur Bühne seines eigenen Denkens. Alles, was wir 'Welt' nennen, begegnet uns als Objekt: Dinge, Ereignisse, Beziehungen, sogar unser eigener Körper, sofern wir ihn von außen betrachten.
Diese Bühne ist nicht beliebig, sondern streng geordnet. Ohne Raum, Zeit und Kausalität gäbe es nicht einmal ein 'Objekt'. Diese Formen liefern wir nicht nachträglich, sie sind immer schon mit am Werk.
Schopenhauers entscheidender Schritt: Die Welt ist nicht nur Vorstellung. Im Wollen erleben wir uns von innen, und dieser innere Zugang zeigt, was hinter der Vorstellung steht: der Wille. Die Welt hat damit zwei Seiten, eine erscheinende und eine zugrunde liegende.
Beispiel
Schließen Sie für einen Moment die Augen. Der Raum verschwindet nicht, aber alles, was Sie eben sahen, ist jetzt nur noch innerlich präsent. Das macht spürbar, was Schopenhauer meint: Welt ist immer Welt für jemanden, der sie aufnimmt und ordnet.
Abgrenzung
Vorstellung ist nicht Fantasie, kein Tagtraum und keine bloße 'Idee'. Es geht nicht um Einbildungen, sondern um die strukturierte Wirklichkeit, wie sie überhaupt erscheinen kann. Wahrnehmung, Denken und wissenschaftliche Erkenntnis bewegen sich alle in der Welt der Vorstellung.
Rolle im Gesamtdenken
Vorstellung bildet zusammen mit Wille die Doppelstruktur von Schopenhauers Weltbild. Die Vorstellung ist das Gebiet der Wissenschaften, der alltäglichen Wahrnehmung und der vier Wurzeln des Satzes vom Grunde.
Der Wille ist das, was diese Vorstellung im Innersten ist. Wer den Begriff Vorstellung versteht, hat den Boden, auf dem alle weiteren Begriffe wie 'Ding an sich', 'principium individuationis' und 'Kontemplation' stehen.
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Häufige Fragen
- Sagt Schopenhauer damit, dass die Welt nur in meinem Kopf existiert?
- Nein. Er sagt, dass die Welt, sofern wir sie erkennen, an die Formen unseres Erkennens gebunden ist. Hinter der Vorstellung steht für ihn eine eigene, vom Subjekt unabhängige Realität: der Wille.
- Was unterscheidet Vorstellung von 'Idee' im populären Sinn?
- Eine 'Idee' im Alltag ist meist ein Einfall, ein Plan oder eine Meinung. Vorstellung meint die ganze strukturierte Welt der Objekte, die uns wahrnehmend, denkend und wissenschaftlich begegnet.
- Was ist mit Raum und Zeit?
- Sie gehören zur Form der Vorstellung. Schopenhauer übernimmt damit Kants These, dass Raum und Zeit nicht 'da draußen' liegen, sondern die Bedingungen sind, unter denen wir etwas überhaupt als Objekt fassen können.
