Philosophie

Musik

Während die anderen Künste platonische Ideen anschaulich machen, ist Musik für Schopenhauer ein unmittelbares Abbild des Willens selbst - eine Lehre, die Komponisten wie Wagner tief beeindruckt hat.

Stilisierte Notenlinien einer Partitur.
Musik als unmittelbares Abbild des Willens.

Eine Kunst eigener Art

Musik braucht keine Gegenstände. Sie zeigt nichts, was wir in der Welt wiedererkennen müssen.

Sie ist nicht Abbild von etwas in der Welt, sondern Ausdruck der Bewegung, die die Welt im Innersten ist.

Damit steht sie systematisch außerhalb der Hierarchie der übrigen Künste.

Musik als Abbild des Willens

Schopenhauer formuliert die These so: Musik ist Abbild des Willens selbst, während die anderen Künste Abbilder der Ideen sind.

Das erklärt, warum Musik so unmittelbar wirkt und warum sie ohne Worte verständlich ist: Sie spricht dieselbe Sprache, in der die Welt im Inneren bewegt ist.

Melodische Linien, Harmoniefolgen, rhythmische Verläufe entsprechen den Bewegungen des Wollens, Strebens, Erfüllens, Versagens.

Was das nicht meint

Es heißt nicht, dass jedes Musikstück 'den Willen' direkt darstellt - im Sinne einer Bedeutung, die man entziffern müsste.

Es heißt auch nicht, dass Musik bestimmte Gefühle ausdrückt. Schopenhauer interessiert das Allgemeine, nicht das konkrete Gefühl.

Musik zeigt die innere Struktur des Wollens - nicht ein konkretes Wollen.

Wirkung auf Komponisten

Diese These hat Komponisten beeinflusst, allen voran Richard Wagner, der Schopenhauers Kapitel über Musik intensiv las und mehrfach in seinen Schriften aufnahm.

Auch Gustav Mahler, Arnold Schönberg und in unterschiedlichem Maße viele Komponisten der späten Romantik haben sich mit Schopenhauer befasst.

In der Musikästhetik des 19. und 20. Jahrhunderts gehört Schopenhauer zu den meistzitierten Philosophen.

Programmusik und absolute Musik

Schopenhauers Lehre stärkt die Idee der absoluten Musik: Musik, die nichts illustrieren muss, um vollwertig zu sein.

Sie schließt Programmusik nicht aus, sieht in ihr aber eine Verkleidung - nicht das eigentliche Wesen der Musik.

Praktische Folge

Wer Schopenhauers Musikkapitel liest, hört in der Folge anders: aufmerksamer auf Bewegung, Spannung, Auflösung - und weniger auf 'Bedeutung'.

Genau diese Hörhaltung ist es, die er beschreibt: ein anschauendes Mitvollziehen, in dem das eigene Wollen ruht.

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Häufige Fragen

Welche Musik hat Schopenhauer selbst gehört?
Vor allem Mozart, Rossini und Beethoven. Er spielte täglich Flöte - ein wichtiger Teil seines Frankfurter Tagesablaufs.
Warum war Wagner Schopenhauer-Leser?
Weil Schopenhauers Musikbegriff Wagners Bühnenmusik eine philosophische Würde gab. Wagner las das Hauptwerk mehrfach und schickte Schopenhauer Tristan und Isolde.
Gilt Schopenhauers Musiklehre auch für Pop oder Jazz?
Sie ist als allgemeine Musikästhetik formuliert. Wer ihre Grundgedanken übernimmt, kann sie auch auf andere Musikkulturen anwenden - mit der nötigen Vorsicht.
Wo lese ich die Musikkapitel?
Welt als Wille und Vorstellung Band I, § 52, sowie Band II, Kapitel 39 ('Zur Metaphysik der Musik').

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